September 2020

30. September 2020 // Kraxeln in der Sächsischen Schweiz Teil II - Häntzschelstiege Kirnitzschtal, Bad Schandau

Heute möchte ich eine andere Kraxeltour vorstellen - Der Aufstieg auf das Lange Horn mit Hilfe der Häntzschelstiege im Kirnitzschtal Bad Schandau in der schönen Sächsischen Schweiz.

Mit einem befreundeten Beacher vom Copitzer Naherholungszentrum, denn dort habe ich meine ersten Gehversuche im Beachvolleyball gemacht, starteten wir diese Tour am zeitigen Nachmittag. Unter der Woche gab es auf dieser doch sehr populären Route keine anderen Kletterer, sodass wir unseren Aufstieg in Ruhe genießen und ich dokumentarisch festhalten konnte.

Der Einstieg war nicht schwer, aber die etwas schwierigen Passagen kamen noch. Im Vergleich zur Rahmhanke gibt es hier Steigeisen und Halteseile, dafür geht es steil nach oben. :D

Im unteren Abschnitt bei strahlendem Sonnenstein gesellte sich auch Regen dazu. Der Anblick im Gegenlicht mit dunklen Felsen im Hintergrund ist echt gigantisch. Bei so einer Kraxelei überlegt man kurz, ob man sein Ziel auf diese Weise noch erreichen möchte.

Mit Mut und Begeisterung ging es aber schnell weiter. Im Eingang zum Kamin (so nennt man den schmalen Durchgang im Mittelstück) ging es schnurstracks nach oben.

Durch diese kleine Enge ging es mit kleinen Felsklammern immer weiter rauf - insgesamt machbar mit gewisser Höhentauglichkeit und Motorik. Am Ende des Gipfels hatte ich einen kleinen Hänger. Mit einer Hand an der Klammer festhalten nach hinten schauen und gleichzeitig fotografieren? Hier versagte mein Mut bzw. setzte der Sicherheitsgedanke ein. No way! Dann lieber ganz rauf und in aller Ruhe den Ausblick festhalten.

Wir gingen weiter in südlicher Richtung auf dem Reitsteig (einer Haupttrasse) entlang. Meine offline Karte verriet mir ein paar tolle Spots, und so war es auch! Die Ansichten übers Gebirge sind vorzüglich. :D . Im Nachhinein konnten wir uns glücklich schätzen, denn die Straßensperrung kurz vor Hohnstein hat uns diesmal zum richtigen Zeitpunkt später starten lassen. Denn mit immer mehr tiefstehendem Sonnenstand kam auch die Plastizität der Berge zum Tragen. Die Abendsonne zauberte ein magisches Licht in die Landschaft, welches man nicht beschreiben kann, wenn man nicht dort war. Dieses tolle Gefühl hatten wir beim Heimweg auf einem Abstecher auf den Carolafelsen. Die Hündin Bella sah dies übrigens genauso.

Der Abstieg führte uns durch die "Wilde Hölle" eine schöne urige Schlucht, welche den Charakter der Landschaft toll unterstreicht. Der krönende Abschluss war allerdings das Nacktbaden in der kalten Kirnitzsch - da hatte ich mich schon den ganzen Tag darauf gefreut. :D

Danke Kai für diesen mega Nachmittag da oben. Hat tierisch Spaß gemacht!

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20. September 2020 // Auf den Spuren meiner Urahnen - Unterwegs auf der Rahm-Hanke in der Sächsischen Schweiz

Diese Kraxeltour hat für mich besonderen Charakter, denn neben der körperlichen Ertüchtigung gibt es hier noch den Punkt einen Weg zu bestreiten, welchen meine Urahnen um 1895 wiederentdeckten. Die Rahm-Hanke (auch Rahmhanke genannt) ist ein schmales, ungesichertes und ebenes Felsband das auf zirka halber Höhe von etwa 100 m zwischen Elbe und Bastei in Rathen/Sächsische Schweiz verläuft, und nach den beiden Wiederentdeckern Max Rahm und Herrn Hanke benannt ist.

Aber der Reihe nach:

Bereits im Mittelalter als es die Felsenburg Neu-, und Altrathen noch gab (heutige Reste zeigen noch den Ursprung und die Lage) war dieser ausgesetzte Weg bereits mit in die Verteidigungslinie integriert. Zurück in der Neuzeit entdeckten die beiden Hobbybergsteiger, die sich als Kellner in der Berggaststätte Bastei kennenlernten, diesen Pfad neu. Max Rahm war der Eine und er war nach Recherche meines Stammbaumes der Cousin meines Urgroßvaters Julius Otto Rahm, der einst Mühlenbesitzer in Thürmsdorf war! (siehe auch die antike Fotografie am Ende der Fotogalerie)

Leider gibt es keine weiteren Informationen über den zweiten Mitstreiter, Herrn Hanke.

Max Rahm soll noch das Kriegsende in Dresden erlebt haben. Dann verliert sich seine Spur. Vielleicht ist er in eines der ihm bekannten Dörfer der Sächsischen Schweiz gezogen. Er soll angeblich am 31. Juli 1952 in Radebeul verstorben sein.

Die Inschrift (Rahm-Hanke) welche die beiden 1895 dort auf einem Felsstück hinterließen, machte dieses Felsband später bekannt.

Folgende Zitate von Hartmut Goldhahn aus Neustadt (www.hm-noroc.de):

Otto Schreck, der Ehemann von Max Rahms Tochter Lina Helene und Rektor einer Hilfsschule in Köthen, verbrachte 1936 mit seiner Frau einen zehntägigen Urlaub in der Sächsischen Schweiz, worüber er auch Tagebuch führte. Aus Bad Schandau sandte Lina Schreck an ihre Nichte in Köthen eine Postkarte mit der Ansicht der Rahm- Hanke. Sie schrieb: "Wo auf dem Bilde der Mann steht, war als erster Dein Opa Rahm und deshalb heißt der Rand so. Und ganz unten wo die Elbe fließt liegt Rathen und da bin ich geboren. "

Doch seit wann gibt es nun eigentlich die Rahm-Hanke? Hier hilft wieder das Tagebuch von Otto Schreck weiter. Unter dem 12. August 1936 schrieb er: "Rahmhanke sahen wir vom Schiff aus. Papa Rahm hat dort seinen Namen 1895 eingeschrieben. Er ist vom Schiff aus zu sehen an einer Stelle über dem dunklen Rand."

Es war abenteuerlich, der Kick war allerdings die Geschichte aus dem Stammbaum dazu! Wenn ich bedenke, dass meine Ahnen einmal vor über 100 Jahren diesen Weg wiederentdeckten, dann ist man irgendwie stolz ein Teil dieser Geschichte zu sein.

Danke auch an Sven Lehmann für die Dokumentationsfotos meiner Wenigkeit. War ein geiler Trip! :D

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